Fliegerlager 2014 in Waren - ein Bericht

Fliegerlager Waren, Netto Waren und ein nicht fliegender Teilnehmer
Kein chronologischer, aber authentischer Bericht

"Wollen wir mit ins Fliegerlager?", fragte mich Ulrike beim Abendbrot. "Die fahren bzw. fliegen nach Waren an der Müritz". Das hörte sich interessant an. Auch wenn ich selber, auf Grund eines Augenfehlers, nicht fliege, so ist es doch immer wieder schön, sich  mit Ulrike da oben zu bewegen. Ich übernehme dann meist die Navigation, schreibe alles Notwendige mit oder erledige den Funksprechverkehr. Als wir noch in Celle wohnten, habe ich auf dem Arloh sogar ehrenamtlich den Flugleiter gemacht.

Die Entscheidung fiel schnell: Wir fahren mit, auch wenn wir sicher nicht die ganze Zeit dabei sein können. Als Unterkunft sollte unsere alte Feuerwehr dienen, "Tante Helga" musste nur noch ausgebaut werden. Der Ford sollte dabei aber möglichst original erhalten bleiben, also keine Löcher bohren oder irgendwelchen Wohnmobilquatsch einbauen. Ein paar Quadratmeter Tischlerplatte, schöne alte Bordeaux-Kisten, etwas farblich passender Stoff und ein nach meinen Vorstellungen zusammengenähtes Innenzelt gegen die lästigen Mücken (an dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön an die Firma Wohltmann in der Schillerstrasse) reichten aus, um in ein paar Stunden aus der Feuerwehr ein gemütliches zu Hause zu konstruieren. Eine Möglichkeit, am Morgens den ersten Kaffee zu kochen, ein WC und ein schickes Kofferradio aus der Zeit, als der Transit gebaut wurde, ergänzten das Ganze. Dieter Blömer besorgte mir dazu noch eine Antenne, für die ich keine Löcher bohren musste und vervollständigte die Außenlautsprecheranlage.

Ein paar Tage vor Beginn des Lagers brachten Ulrike und ich die Feuerwehr nach Waren. Dabei wurde auch eine größere Menge Gepäck für Vereinskameraden mitgenommen. Wir wollten danach auch noch gemeinsam mit einem Vereinsflugzeug dorthin fliegen. Auch wenn es so etwas umständlich war, hat es sich doch gelohnt. "Tante Helga" entpuppte sich nämlich als sehr gemütlich und der Flug von Nordholz war auch ein Erlebnis. Schon beim Abstellen auf dem Platz lernten wir den netten Betreiber kennen. Das Deponieren des unumgänglichen Rotweinvorrats war auch problemlos. So schon etwas voreingestimmt, freuten uns auf die kommenden Tage.

Neben der Fliegerei gab es viele Tätigkeiten und Aufgaben. Dazu gehörten vor allem der Küchendienst mit dem decken der Tische und die für manche sehr komplizierte Geschirrspülerlogistik. Noch wichtiger aber war die Versorgung. Eine solch große Meute satt zu bekommen, dabei auf die Vorlieben oder Abneigungen der einzelnen zu achten, dazu gehörte schon etwas. Als große Meisterin dieser Aufgabe entpuppte sich Heike, Sie fand, neben ihrer fast mütterlichen Fürsorge für "ihre" Elster, immer wieder die Zeit, mit dem Familien-Bulli und Kerstens Einkaufszettel Unmengen von Gouda und Edamer (diese Sorten entpuppten sich als völlig gleichschmeckend), Marmelade, Nutella, Nudeln, tonnenweise Fleisch, Softdrinks, den unverzichtbaren Ouzo und alles andere heranzuschaffen. Eine besondere Verbundenheit bzw. Affinität, ja eine unerklärliche Zuneigung oder gar Liebe entwickelte sie dabei zum örtlichen NETTO Markt. Es gibt Gerüchte, dass sie sich schon nachts, wenn Marc und alle anderen noch fest schliefen, heimlich auf den Parkplatz stellte um am Morgen die erste zu sein . . . Ergänzt wurde diese emsige Ameisentätigkeit durch den täglichen Brötchenholdienst von Tobi.

Das Wetter spielte auch mit. Bis auf wenige Ausnahmen konnten wir draußen essen. Begleitet wurden wir dabei immer von einem unüberschaubaren Geschwader von Wespen. Diese stachen aber eigenartiger Weise nur Geburtstagskinder. Besonders hervorzuheben wäre da noch die Küche bzw. die Kocherei. War schon der Herd mit der riesigen Pfanne beeindruckend, war es die Kochkunst von unserem eigens dazu eingeflogenen Chefkoch Kersten ganz besonders. Jeden Abend gab immer etwas Leckeres und, dank Heikes Zubringerdienst und Kerstens hervorragender Planung, immer in ausreichenden Mengen. Dabei wurde es nie langweilig, die Speisekarte war sehr abwechslungsreich. Allein das leckere Essen ist Grund genug, im nächsten Jahr wieder mit dabei zu sein!

Die Zeit verging dabei wie im Fluge, auch wenn ich selber eigentlich gar nicht flog. Es gab aber ein paar sehr schöne Gelegenheiten beim Fliegen mit dabei zu sein. Besonders hervorzuheben, waren dabei die Flüge mit der DO, sei es nun beim F-Schlepp mit Werner oder nur zum Benzin holen, ein Flug in einem Segelflieger, der auf Grund eines nahenden Unwetters sehr dramatisch beendet werden musste und letztendlich der gemeinsame Flug mit Ulrike in der von ihr so geliebten PA 18, nachdem sie sich damit freigeflogen hatte. Ein Ausflugstag zu den historischen Ostseebädern rundete das Ganze dann noch ab


Als besonders schön empfand ich die langen Abende. Diese wurden nach dem Abendessen zunächst durch Unmengen an Ouzo eingeläutet. Bei netten Gesprächen, nicht nur über die Fliegerei und begünstigt von dem schönen Wetter, wurden es meist sehr lange Abende. Das war aber nicht weiter tragisch, die Feuerwehr stand ja um die Ecke. Erwähnen möchte ich noch eine grandiose Erfindung von Werner: Über ein an einem Zweig befestigtes Seil steuerte er den Bewegungsmelder und sorgte so dafür, dass wir immer im rechten Licht saßen. (siehe Foto) Diese Erfindung ist inzwischen weltweit patentiert.

Es gäbe noch so viel zu berichten, aber dafür reicht der hier Platz nicht aus. Alles in Allem waren es wundervolle Tage. Es war dabei auch schön zu erleben, wie Alt und Jung zusammen miteinander harmonierten. Uns hat es jedenfalls viel Spaß gemacht. Wir werden beim nächsten Mal sicher wieder mit dabei sein!

Bernhard Jaeger