Segelfliegen

 

Was ist Segelfliegen?

 
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Kurz gesagt: Segelfliegen ist die Kunst ohne Antriebsmotor möglichst lange in der Luft zu bleiben!
Und wie funktioniert das?  Nun, einmal in die Luft gebracht mit einer Seilwinde oder hinter einem Motor-Schleppflugzeug, gleitet der Segelflieger seine Höhe nach und nach wieder ab. Er setzt seine gewonnene Höhe also wieder in Vortrieb um und kann damit eine gewisse Streck zurücklegen. Simpel gesagt wie bei einem Papierflieger. Wie weit und wie gut ein Segler gleitet hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab:  Hauptsächlich ist es die technische Leistungsfähigkeit des Flugzeuges durch die Entwicklungen in Aerodynamik und Materialtechniken. Dazu spielt das Wetter eine Rolle, denn starker Gegenwind und Regen sind nicht leistungsfördernd. Auch der Faktor Pilot spielt mit: Fliegt der Pilot/die Pilotin unsauber, so wird die Aerodynamik gestört.
Aber kann ein Segelflugzeug nur seine Höhe abgleiten? Nicht unbedingt! Das hängt wieder vom Wetter ab. Während des Fluges sucht der Segelflieger aufsteigende Luftmassen um in ihnen zu kreisen und zusätzliche Höhe zu gewinnen, die er wieder in Strecke umwandeln kann. Sowas nennt man Thermik. Es gibt noch weitere Möglichkeiten, wie z.B. das Hangfliegen, welches aber bei uns mangels Bergen nicht funktioniert.
Was ist nun Thermik und wie funktioniert das? Einfach erklärt, der Boden auf der Erde wird durch die verschiedene Beschaffenheit unterschiedlich erwärmt und wenn in einem bestimmten Bereich die Luft wärmer ist als Drumherum, so steigt sie nach oben. Vereinfacht kann man sowas mit der aufsteigenden heißen Luft über einem Kochtopf vergleichen. Idealerweise zeigen Quellwolken dem Segelflieger wo es rauf geht.
Und wie schnell geht das? Auch das hängt hauptsächlich vom Wetter ab. Bei uns an der Küste ist die Thermik oftmals durch die Einflüsse der See gestört aber auch hier gibt es ab und zu Werte von mehr als 2 Meter pro Sekunde. Das sind immerhin 7 km/h. Sprich, um 1.000 Meter Höhe zu gewinnen benötigt man etwa 8,5 Minuten. Nun geht es aber in der Praxis nicht immer gleich auf 1.000 Meter hoch und das auch noch mit konstantem Steigen. Dennoch, Höhen von 2.000 bis 3.000 Metern wurden bei uns auch schon erreicht. Mehr ist auch normalerweise nicht drin, aber da spielt dann das Luftrecht eine Rolle. Denn der Himmel über Deutschland unterliegt natürlich auch gewissen Verkehrsregeln! Das bekommt man aber alles während der Ausbildung beigebracht.
Und was passiert dann? Eigentlich ist der Sinn des Segelflugsports, neben dem Lustfliegen, der Streckensegelflug. Man versucht mittels der gewonnen Höhe eine Art Parcours abzufliegen. Durch die Thermik, bestimmte Luftregeln und andere Faktoren ist dabei der direkte Weg nicht immer der günstigste. Somit ist die tatsächliche Wegstrecke um ein Vielfaches länger, aber so ist das nun mal!
Und wie weit kann man fliegen? Da spielen, neben einer Portion Glück, auch die oben genannten Faktoren eine Rolle! Die Schulungsflugzeuge der Sportfluggruppe erreichen eine Gleitzahl von etwa Mitte 20, die Leistungsflugzeuge von mehr als 40. Und was ist das nun? Aus einem Meter Höhe kann das Flugzeug 25 bzw. 40 Meter weit fliegen. Um bei unseren 1.000 Metern zu bleiben also 25 bzw. 40 Kilometer weit.  Insgesamt sind somit schon Strecken von mehr als 600 Kilometer zusammenhängend von Nordholz aus zurückgelegt worden.
Und was passiert, wenn man keine Thermik findet? Man gleitet einfach seine Höhe wieder ab. Ein Flug am Platz dauert dann etwa 6 Minuten. Ist man allerdings im Streckenflug, so sucht man sich einen anderen Flugplatz und wenn der nicht zu finden ist, dann wird ein Acker angeflogen und dort gelandet. Das ist übrigens keine Notladung, sondern kommt im Segelflug oft vor und ist völlig normal. Die Flugzeuge sind so konstruiert, dass man sie schnell zerlegen kann und mittels eines Transportanhängers wieder zurück zum Flugplatz befördern kann.